Großbürgerliches Mietshaus, Tauentzienstr. 12, 10789 Berlin - Charlottenburg (1893)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Großbürgerliches Mietshaus - Alte Bauten in Berlin

Tauentzienstr. 12 (10789 Charlottenburg)


Die originale Bildunterschrift lautet

Wohnhaus in Berlin, Tauenzienstraße 12

In diesem, in der zeitgenössischen Baubeschreibung als "gut bürgerlich" bezeichneten Wohnhaus entstanden Wohnungen mit sechs bis sieben Zimmern, ausgerichtet auf gehobene Ansprüche. Hinter der symmetrischen Fassade zu fünf Achsen befinden sich in den drei Obergeschossen über dem Erdgeschoss je zwei spiegelsymmetrisch geplante Wohnungen. Im Dachgeschoss gibt es nur eine Wohnung. Hier befinden sich im hinteren Bereich Atelierräume. Das Haus verfügt über ein Treppenhaus im vorderen Bereich "für Herrschaften" und eines zum Garten hin für "Personal und Lieferanten".

Typisch für die gutbürgerlichen Wohnungen war auch, dass ein Zimmer für Personal, hier "Magd", vorgehalten wurde. In diesen Kreisen "hielt man sich"  zumindest ein "Dienstmädchen", meist zwischen 14 und 18 Jahren alt, eine junge Frau, die gegen sehr geringes Entgelt bei freier Kost und Logis täglich zwölf bis vierzehn Stunden zu arbeiten und höchstens sonntags einen halben Tag frei hatte. "In Dienst" zu stehen war totale Ausbeutung oft verbunden mit sexueller Belästigung durch die männlichen Mitglieder des Haushaltes. Dennoch wurden diese Beschäftigungsverhältnisse für wichtig angesehen. Auf diese Weise sollte den Töchtern "geringerer" Stände eine preiswerte Möglichkeit geboten werden, sich auf die Pflichten als Hausfrau und Mutter vorzubereiten und auszubilden, aber auch Gehorsam und Unterordnung einzuüben.

 

Foto Nr.:473862

Die langestreckten Wohnungen bedingen den typischen langen Flur zwischen dem Wohn-(vorne) und Schlafbereich (hinten) Aus dem Maßstab des Grundrisses geht hervor, dass diese Flure ca. 12 Meter lang waren. 

Erkennbar ist auch, dass die Herrschaften und deren Gäste über eine Treppe im Vorderhaus in den Wohnbereich gelangten, während Personal und Lieferanten die Treppe im hinteren Bereich zu benutzen hatten.

Foto Nr.:473863

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)