Eckhaus mit Gastwirtschaft und Panoptikum, Friedrichstr., Berlin (1890)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Eckhaus mit Gastwirtschaft und Panoptikum - Alte Bauten in Berlin

Friedrichstr.


Die originale Bildunterschrift lautet:

Haus Pschorr in Berlin
Haupteingang Ecke der Friedrich- und Behren-Strasse

Die Großbrauerei Pschorr aus München errichtete in allerbester Lage dieses repräsentative Gebäude für eine Gaststätte zum Ausschank ihrer Münchner Biere. Neben der Gastwirtschaft war in den oberen Etagen des Baus das "Castansche Panoptikum untergebracht, ein Wachsfiguren- und Kuriösitätenkabinett nach Art der Madame Tussaud. Für das Bauwerk wurden vier Grundstücke überbaut, an der Friedrichstraße 165, der Behrenstr. 25 und 26 und an der Französische Str. 51. Das Kabinett zeigte bekannte, berühmte Persönlichkeiten, medizinische Monströsitäten und Schreckgestalten, wie Massenmörder und andere Verbrecher. Dazu kamen (echte oder falsche) Erinnerungsstücke wie Haarlocken oder holzstücke von Särgen, Tabakspfeifen oder Schmuck der ausgestellten Personen. Vor Zeiten von Kino , Fernsehen und anderen Massenmedien dienten solche Einrichtungen der Befriedigung von Schau- und Sensationslust der Menschen.

Bierhallen, wie das Pschorr-Haus waren riesige Etablissements für mehrere hundert Gäste in  Gasträumen verschiedenster Größe und kleinen Kneiphöfen im Innenbereich, die man mit heutigen Biergärten vergleichen kann.

Entworfen wurde der im Stil der Neo-Renaissance aufgeführte Bau von der bekannten Architektengemeinschaft Kayser und von Grosz(sic!)heim (Heinrich Josef Kayser (1842-1917) - Karl von Großheim (1841-1911). Bemerkenswert ist außerdem die große Zahl von Künstlern, Malern und Bildhauern, die die künstlerische Ausgestaltung im Inneren und Äusseren besorgten sowie die Vielzahl der auswärtigen Firmen für die verschiedenen Gewerke.

 

 

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)