Alles ist riesig, Schloßplatz, 10178 Berlin - Mitte (1889)

Staatsbesuch des italienischen Königs : Alles ist riesig

Schloßplatz (10178 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Die Festststrasse in Berlin am 21. Mai 1889
VI. Bannermast am Lustgarten

Am Eingang zum Schloss waren zwei riesige Bannermasten aufgestellt. 30 Meter maßen die als "bedeutsame Wahrzeichen" beschriebenen Fahnenstangen, die daran befestigten Fahnentücher: "mächtige, purpurfarbene Bannertücher ..wallten herab.."   maßen 17 Meter.

Auch hier war ein berühmter Baumeister für die Planungen verantwortlich: Paul Wallot (1841-1912), der Architekt des Reichstages.

Überschwänglich zieht der Verfasser ein Fazit des Festzuges: "Mit vollem Rechte darf die Berliner Künstlerschaft den Ruhm beanspruchen, den Gefühlen freudigen Entgegenkommens und herzlicher Freundschaft, wie sie dem einziehenden Gaste von der gesammten Bevölkerungin seltener Art entgegengebracht wurde, einen glänzenden künstlerischen Ausdruck verliehen zu haben.
Möge es ihne auch bei künftiger Gelegenheit gelingen, die ähnliche Aufgabe in gleicher Vollendung zu lösen, mögen dann aber auch wieder so herrliche Sommersonnentage(....) ihr Werk fördern und verklären"

Weitere Fotos aus dem Album "Staatsbesuch des italienischen Königs"


Die in diesem Album vorgestellten Bildtafeln tragen die Überschrift:

Die Haupt- Zierbauten der Feststrasse in Berlin bei der Einholung König Umberto´s von Italien am 21. Mai 1889

Aud sechs Tafeln werden diese Bauten vorgestellt. Die zeitgenössischen Beschreibungen sind gekennzeichnet von Pathos und Stolz auf die Ergebnisse. Ergebnisse, die uns heute fast kitschig anmuten, zeigen den Zeitgeist, der fast als Sucht zu bezeichnende Drang nach Pracht und Herrlichkeit und auch Protz.

Einige Fakten sollen den Aufwand für eine einzige Durchfahrt des Königs und seines Gastgebers Kaiser Wilhelm II darstellen. Die Beschreibung gibt einen Hinweis auf die Kosten: "Die Stadt-Verwaltung bewilligte nach gründlicher Überlegung und gewissenhafter Prüfung der Haupt- und Nebenumstände, spät aber doch noch rechtzeitig, die erforderlichen Mittel in der Höhe von 150. 000,- M." 150.000 Goldmark bedeuten nach heutiger Kaufkraft  ca. eine Million Euro. Man gönnt sich ja sonst nix! Dabei muss man bedenken, dass ein einfacher Arbeiter damals pro Tag drei bis vier Mark verdiente, auf die er natürlich auch Steuern zu zahlen hatte, Steuern, von denen der gezeigte Protz bezahlt wurde.

Zum Zeitaufwand: "Laues, helles Frühlingswetter  begünstigte ein schnelles Fortschreiten der Arbeit, und es entstand in 4 Tagen und 4 Nächten der prächtige Strassenschmuck, den wir unseren Lesern auf den beifolgenden Blättern in seinen Hauptstücken vorführen."

Beides wäre heute sicher unmöglich!

(Anmerkung: Bei den wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)