Am Eingang zum Tiergarten, Ebertstr. 21, 10117 Berlin - Mitte (2016)

Staatsbesuch des italienischen Königs : Am Eingang zum Tiergarten

Ebertstr. 21 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Die Festststrasse in Berlin am 21. Mai 1889
III. Der Platz vor dem Brandenburger Thor

Der Weg der Majestäten führte vom Askanischen Platz vor dem Anhalter Bahnhof über die Königgrätzer Straße (heute Stresemannstr. und Ebertstr. und den Potsdamer Platz zum Platz vor dem Brandenburger Tor, wo die hohen Herrschaften in die Straße Unter den Linden einbogen.   

Hier ging es darum: "..die Brechung der Feststrassen-Achse an dieser Stelle künstlerisch zu vermitteln. Dies wurde erreicht durch die doppelte Reihevon Laubgehängen und Banner tragenden Masten.."    Man hatte sich also viele Gedanken gemacht, wie König und Kaiser würdig um die Ecke kommen könnten. Der Hauptschmuck an dieser Stelle bestand aus der Verkleidung der hier vorhandenen"vier grossen Gas-Kandelaber"   Die vorhandenen Straßenlaternen wurden demnach aufwändig verkleidet, was sich in der zeitgenössischen Beschreibung so anhört: 
"Diese wurden durch die Überbauung mit Holzgerüsten in obeliskenartige Pfeiler umgewandelt, aus deren Wandmitten die vergoldeten und mit Korbgeflecht verzierten Gasarme hervorragten. Die überreich mit Blumenkörben, Stoffgehängen, Schilden Fahnen u.A. geschmückten Pfeiler..."

Interessant ist, dass hier an der Planung des Straßenschmuck drei Architekten beteiligt waren, darunter  so renommierte wie Otto March (1845-1913) und der Berliner Oberbaurat Heinrich Klutmann (1847-1905)

 

Weitere Fotos aus dem Album "Staatsbesuch des italienischen Königs"


Die in diesem Album vorgestellten Bildtafeln tragen die Überschrift:

Die Haupt- Zierbauten der Feststrasse in Berlin bei der Einholung König Umberto´s von Italien am 21. Mai 1889

Aud sechs Tafeln werden diese Bauten vorgestellt. Die zeitgenössischen Beschreibungen sind gekennzeichnet von Pathos und Stolz auf die Ergebnisse. Ergebnisse, die uns heute fast kitschig anmuten, zeigen den Zeitgeist, der fast als Sucht zu bezeichnende Drang nach Pracht und Herrlichkeit und auch Protz.

Einige Fakten sollen den Aufwand für eine einzige Durchfahrt des Königs und seines Gastgebers Kaiser Wilhelm II darstellen. Die Beschreibung gibt einen Hinweis auf die Kosten: "Die Stadt-Verwaltung bewilligte nach gründlicher Überlegung und gewissenhafter Prüfung der Haupt- und Nebenumstände, spät aber doch noch rechtzeitig, die erforderlichen Mittel in der Höhe von 150. 000,- M." 150.000 Goldmark bedeuten nach heutiger Kaufkraft  ca. eine Million Euro. Man gönnt sich ja sonst nix! Dabei muss man bedenken, dass ein einfacher Arbeiter damals pro Tag drei bis vier Mark verdiente, auf die er natürlich auch Steuern zu zahlen hatte, Steuern, von denen der gezeigte Protz bezahlt wurde.

Zum Zeitaufwand: "Laues, helles Frühlingswetter  begünstigte ein schnelles Fortschreiten der Arbeit, und es entstand in 4 Tagen und 4 Nächten der prächtige Strassenschmuck, den wir unseren Lesern auf den beifolgenden Blättern in seinen Hauptstücken vorführen."

Beides wäre heute sicher unmöglich!

(Anmerkung: Bei den wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)