Bürohaus einer Versicherung, Leipziger Str., 10117 Berlin - Mitte (1890)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Bürohaus einer Versicherung - Alte Bauten in Berlin

Leipziger Str. (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Das Haus der New-Yorker Lebensversicherungsgesellschaft "Equitable" in Berlin, Ecke der Leipziger- und der Friedrichstraße

Wie bei vielen anderen Bauten aus der Zeit des Historismus fällt bei diesem Gebäude die aufwändige und repräsentative Lösung der Ecksituation auf. Die Ecke wird durch einen Erker auf abgerundetem Grundriss gebildet, der von Säulen flankiert ist. Überkrönt wird das Ganze von einer reichverzierten Kuppel mit einer großen Kuppellaterne.

Die Versicherungsgesellschaft "Equitable" errichtete nicht nur in Berlin großzügige, palastähnliche Gebäude. In Wien gibt es bis heute das "Palais Equtable" und in Budapest steht ein gleichermaßen prächtiger Bau, der heute als Hotel dient. (siehe hier)

Im Erdgeschoss befindet sich eine Filiale der Zigarrenfabrik "Loeser und Wolff". Diese Firma war in der Zeit um die Jahrhundertwende der größte Zigarrenhersteller Deutschlands. Sie verkaufte ihre Produkte in über 120 eigenen Geschäften, davon allein in Berlin ca. 60. Im ersten Weltkrieg produzierten die Werke bis zu vier Millionen Zigarren wöchentlich.

In Erinnerung geblieben ist die im Jahre 1937 zwangsenteignete und "arisierte" Firma durch das Buch "Tadellöser und Wolff" von Walter Kempkowski. Darin benutzt der Vater des Erzählers den durch "Tadellöser" verballhornten Firmennamen, um auf etwas besonders Gutes hinzuweisen.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)