Bayrische Gemütlichkeit, Friedrichstr. 180, 10117 Berlin - Mitte (1892)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Tucherhaus in Berlin

Tucherhaus in Berlin : Bayrische Gemütlichkeit

Friedrichstr. 180 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Das Tucherhaus in Berlin, Friedrichstraße 180
1. Ansicht in der Friedrichstraße, nördlicher Teil

Die Fassaden sind, typisch bayrisch mit Elementen der sog. Lüft(e)lmalerei verziert. Dieser in Bayern und auch Österreich weit verbreitete Bauschmuck kann zum Einen Architekturelemente vortäuschen, kann aber auch bildliche Darstellungen umfassen. Auf der linken Seite erkennt man sogar den Ausschnitt einer Stadtansicht unter einem Bogen. In diesem Bereich wird besonders die Möglichkeit deutlich bildhauerische Architekturelemente vorzutäuschen; hier Säulen, Bögen und Brüstungen. In der Fotografie ist gerade auf der linken Seite kein Unterschied zwischen tatsächlichen und aufgemalten Elementen erkennbar. Traditionell wurde die Lüft(e)lmalerei "al fresco" angefertigt d.h. mineralische Farben wurden auf noch feuchten Kalkputz aufgetragen. Farben und Kalkputz verbanden sich in einer chemischen Reaktion zu einer außerordentlich haltbaren, wetterfesten Schicht.

Die giebelständige Fassade auf der rechten Seite besteht aus drei Achsen, die mittlere ist betont durch einen Erker aus Werkstein auf trapezförmigen Grundriss, der sich vom ersten bis zum dritten Obergeschoss erstreckt. Die Fassade wird überkrönt von einem mehrstufigen Treppengiebel, der von zwei kleinen Türmchen flankiert wird. Man muss annehmen, dass das Ganze in der Reichshauptstadt einen Ort bayrischer Gemütlichkeit vortäuschen sollte. Gewissermaßen eine "Ständige Vertretung" bayrischen Brauch- und Brautums im Herzen Berlins.

Weitere Fotos aus dem Album "Tucherhaus in Berlin"