Bayrische Vertretung, Voßstr. 3, 10117 Berlin - Mitte (1892)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Bayrische Vertretung - Alte Bauten in Berlin

Voßstr. 3 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Der Palast der Kgl. Bayerischen Gesandschaft in Berlin

Zuerst eine sprachliche Anmerkung: Hochoffiziell wird das Adjektiv korrekt "bayerisch" geschrieben. In der Umgangssprache, mehr und mehr aber auch in Texten verschwindet das "e" also eben auch "bayrisch". Der Duden lässt beide Schreibweisen nebeneinander zu. Die verbindliche Nutzung des " y " wurde erst 1825 von König Ludwig I. verfügt, vorher war auch das " i " zulässig. (Baiern, bairisch, baierisch)

Zur Sache: Das Deutsche Reich von 1871 war, wie die heutige Bundesrepublik, ein Bundesstaat, dessen Einzelstaaten im Gegensatz zur heutigen Bezeichnung - Bundesländer - auch als Bundesstaaten bezeichnet wurden. Bis auf die Hansestädte und die Reichslande Elsass-Lothringen waren es Königreiche oder Fürstentümer. Anders als heute, da die Bundesländer Vertretungen beim Bund haben, hatten die einzelnen Bundesstaaten Gesandschaften beim Reich.

Bayern war eines der vier Königreiche, die neben zwanzig Fürstentümern, drei Hansestädten und den Reichslanden Elsass-Lothringen im Bundesrat, dem höchsten Bundessorgan mit unterschiedlichen Stimmzahlen je nach ihrer Einwohnerzahl vertreten waren.

Entsprechend seiner Bedeutung errichtete die Königlich Bayerische Regierung ein repräsentatives Palais im Regierungsviertel, in unmittelbarer Nachbarschaft von Ministerien und dem Reichskanzer Palast.

Zur Straße zeigt sich das Bauwerk, das 1890/91 errichtet wurde mit einer nahezu symmetrisch aufgebauten Fassade zu fünf Achsen im Stil der Renaissance. Die mittlere Achse ist risalitartig leicht vorgeschoben, sie ist geschmückt mit einem Balkon im ersten Obergeschoss und einem Dreiecksgiebel, in dem sich das Bayerische Wappen zeigt mit einer Krone gehalten von zwei Löwen.

Die Abweichung vom symmetrischen Aufbau der Fassade ergibt sich aus der großen Toreinfahrt rechts, die im Inneren in eine große Halle mit einem Treppenaufgang zum Hochparterre führt. Hinter der großen Halle befand sich eine Durchfahrt zum Hof, an dessen Ende die Ställe und Remisen für Pferde und Kutschen lagen.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)