Blick in den Speisesaal, Friedrich-Ebert-Platz 2, 10117 Berlin - Mitte (1900)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Palais des Reichstagspräsidenten

Palais des Reichstagspräsidenten : Blick in den Speisesaal

Friedrich-Ebert-Platz 2 (10117 Mitte)


Zeittypisch war die deckenhohe Verkleidung der Wände mit Holz. Für den heutigen Geschmack wirken die Räume dadurch recht dunkel und trotz einer Höhe von ca. 5 Metern irgendwie gedrückt.

Bemerkenswert ist die Dekoration der Stirnwandoberseite zwischen Wand und Decke. Hier erkennt man verschiedene Tierköpfe, die wohl auf die Bestimmung des Raumes hinweisen sollten.

Laut Plan lag der Speisesaal im Hauptgeschoss des Baus linkerhand des Eingangsbereiches.

Weitere Fotos aus dem Album "Palais des Reichstagspräsidenten"


Schon vor dem Bau des Reichstages ergab sich die Notwendigkeit , für den Präsidenten des Hohen Hauses eine entsprechende Wohnung vorzusehen. Der ursprüngliche Plan, eine Wohnung innerhalb des Reichstagsgebäudes einzurichten, scheiterte an der zu geringen Größe des Grundstücks für die Volksvertretung. Nach Fertigstellung des Reichstages im Jahre 1894 konnte ein Grundstück an der Ecke Reichstagufer und Sommerstraße  erworben werden. (Die Straße unmittelbar östlich des Reichstags, früher Sommerstraße, heißt heute Friedrich-Ebert-Platz).

Der Architekt des Reichstages, Paul Wallot (1841-1912) wurde auch mit dem Bau des Gebäudes beauftragt, das in der Publikation: "Blätter für Architektur und Kunstgewerbe" als "Wohngebäude für den Präsidenten des Reichstages" bezeichnet wird. In der äusseren Gestaltung lehnt sich der Bau an die Gestaltung des unmittelbar benachbarten Reichstags an, im Inneren, für das Paul Wallot genauso wie für die Innenausstattung des Reichstags verantwortlich war, wurde Wert auf eine reichhaltige, kostbare Ausstattung mit großzügiger Verwendung von kostbaren Holzvertäfelungen gelegt. Das Album des Reichstages findet man hier.

Die Kosten für den Bau wurden damals mit 1.163.000 Mark beziffert. Allerdings wurden dabei die Kosten für den Garten, das Maschinenhaus, das Architektenhonorar und die Kosten für die Bauleitung nicht eingerechnet. (irgendwie kommt einem das auch heute recht bekannt vor.) Bemerkenswert ist bei der Betrachtung der Kosten der Satz: "Für die Beschaffung des Mobiliars, der Kücheneinrichtung, des Geschirrs, Bettzeug und Silbers u.s.w. waren außerdem noch 230.000 Mark erforderlich." Immerhin nahezu schlappe 20% des Baupreises!

Und die Geschichte wiederholt sich. Das Haus beherbergt heute die Paralmentarische Gesellschaft und für Umbau, Sanierung, Neuausstattung und neue technische Einrichtungen wurden laut einem Bericht des Magazins FOCUS seit der Wende bis heute ca. 45 Millionen Euro verbaut. Da fällt es offensichtlich kaum ins Gewicht, dass fürs Inventar 210 Konferenzstühle beschafft wurden mit einem Maximalpreis von 500 Euro pro Stück. Mal eben über 100.000 Euro für Sitzmöbel. Man gönnt sich ja sonst nix.

Für die Beheizung  des Reichstags und des Präsidentenpalais sowie deren Versorgung mit elektrischem Strom wurde eigens ein kleines Kraftwerk neben dem Präsidentenpalais angelegt. Von dieser Energiezentrale führte ein begehbarer unterirdischer Gang in das Kellergeschoss des Reichstages. Es wird vermutet, dass beim Reichstagsbrand 27./28. Februar 1933 durch diesen Gang Brandstifter der SA unbemerkt in den Reichstag gelangten und die Brände legten. Dies war möglich, weil seit August 1932 der Nationalsozialist Hermann Göring als Reichstagpräsident im Palais wohnte.