Brandenburger Tor, Zinnowitzer Str., 10115 Berlin - Mitte (1904)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Brandenburger Tor

Zinnowitzer Str. (10115 Mitte)


Das Brandenburger Tor in seiner heutigen Form ersetzte zum Ende des 18. Jhdts. ein älteres Tor an dieser Stelle. Es waren dies jedoch keine Tore in einer für die Befestigung der Stadt vorgesehenen Mauer sondern der sog. Akzisemauer. Akzisen waren städtische Steuern, eine Art Zoll, die bei der Einfuhr von Waren in eine Stadt erhoben wurden. In Berlin wurde die Akzisemauer, die man auch als Zollgrenze bezeichnen könnte, zur Regierungszeit Friedrich Wilhelm I (des Soldatenkönigs) errichtet. In der Mauer gab es 18 Tore, die zumeist nach den Städten benannt waren, die Zielorte der jeweiligen durch sie hindurchführenden Straßen waren.(z.B. Frankfurter Tor, Hamburger Tor, Prenzlauer Tor, Hallesches Tor)

Das Brandenburger Tor lag an der Grenze der Stadt in Richtung auf den königlichen Tiergarten, durch den eine Chaussee nach Westen, nach Brandenburg an der Havel führte. Der Neubau des Tores wurde zwischen 1789 und 1791/92 durchgeführt. Verantwortlicher Architekt war Carl Gotthard Langhans (1732-1808), die Quadriga über der mittleren Durchfahrt war ein Werk des Bildhauers Johann Gottfried Schadow (1764-1850).

Das Gebäude im Stil des Klassizismus besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: dem Mittelteil mit fünf Durchfahrten und den rechts und links danebenliegenden Torhäusern. Die mittlere, etwas breitere Durchfahrt war den Mitgleidern der königlichen/kaiserlichen Familie vorbehalten, die äusseren den gewöhnlichen Fuhrwerken bzw. den Fußgängern.

Die Quadriga wurde nach den verlorenen Schlachten von Jena und Auerstedt durch die Truppen Napoleons als Beutekunst nach Paris verschleppt. Sie kam im Jahre 1814 mit den siegreichen Truppen der Allierten wieder nach Berlin zurück. Jetzt erhielt die Wagenlenkerin als Siegeszeichen auf ihrer Lanze den Eichenlaubkranz mit dem Eisernen Kreuz und den darüberstehenden Preussenadler.

Nach der Aufhebung der Akzisen in den Mitte des 19. Jhdts. entfiel der ursprüngliche Zweck des Bauwerks. Es bildete nun an der Grenze zwischen Berlin und der damals noch  selbsständigen Stadt Charlottenburg den repräsentativen Abschluss des Pariser Platzes nach Westen.

Im Dritten Reich wurde die Chaussee nach Westen in Verlängerung der Straße Unter den Linden zur Ost-West-Achse ausgebaut, deren Ausgangspunkt das Tor nun bildete.

Nach den Kriegszerstörungen erfolgte der Wiederaufbau der stark beschädigten Anlage in den 50er Jahren. Das Tor lag nun auf Ostberliner Gebiet, dennoch arbeiteten beide Administrationen in Ost und West beim Wiederaufbau zusammen. Die Quadriga, die durch den Krieg fast vollständig zerstört worden war, wurde nachgegossen und erhielt wieder ihren alten Platz. Die kommunistische Stadtverwaltung ließ jedoch vorher das eiserne Kreuz und den Preussenadler als Symbole des preussischen Militarismus entfernen.

Nach dem Mauerbau 1961 im August 1961 wurde das Tor zu einem, wenn nicht dem Symbol Deutscher Einheit. Mit der Wende und dem Fall der Mauer 1989 wurden das Bauwerk und die Quadriga umfassend renoviert.

Auf dem Bild (ca. 1900)sieht man, dass das Auto im Verkehr noch garnicht vorkommt, zwei Fuhrwerke passieren das Tor durch die rechten Durchfahrten, zwei Herren hoch zu Ross machen sich auf zu einem Ausritt in den Tiergarten. Ein Bild, das, verglichen mit dem heutigen Verkehr, ein Exempel von Ruhe und Gemütlichkeit darstellt. Gute Alte Zeit??

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