Das Marienheim, Borsigstr. 5, 10115 Berlin - Mitte (1892)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Das Marienheim - Alte Bauten in Berlin

Borsigstr. 5 (10115 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Das Marienheim in Berlin, Borsigstraße 5

Diese löbliche Einrichtung wurde durch den "Verein zur Fürsorge für die weibliche Jugend" erbaut. Sinn dieses Heims war: "..in erster Linie alleinstehende Mädchen, Arbeiterinnen, Verkuferinnen u.A ohne Unterschied des Bekenntnisses eine behagliche Unterkunft (zu) bieten."

Die Lage dieser Frauengruppe war sehr prekär, da Berufstätigkeit für Frauen eher ablehnend gesehen wurde und äußerst selten war. Junge Mädchen erhielten normalerweise nach der Schule keine Ausbildung, meist wurden sie "in Dienst" geschickt, d.h. sie verdingten sich als Dienstmädchen oder Magd in bürgerlichen Haushalten und wenn sie dort kein Logis bekamen, gab es kaum anständige Unterkünfte für sie. Daher boten solche Heime eine sichere Unterkunft für diese Frauen.

Architekt des Baus war der renommierte Baumeister Otto March (1845-1913), der als Mitglied des Trägervereins gleichzeitig als Bauherr beteiligt war. Die Straßenfront zur Borsigstraße zeigt nur den kleinsten Teil des Gebäudes, das links an das Grundstück der Golgathakapelle angrenzt. Heute ist die später errichtete Golgathakirche direkt an das Gebäude angebaut.

Die dreiachsige Fassade im neo-gotischen Stil ist in Sandstein ausgeführt, Fensterlaibungen und weitere Verzierungen in rotem Backstein. Ein Erker vor dem ersten und zweiten Obergeschoss betont die Mittelachse, die beiden äusseren Achsen sind von Ziergiebeln überkrönt.  Diese Kapelle (hier nicht sichtbar) wurde zwischen 1898 und 1900 durch den großen Kirchenbau der Golgathakirche ersetzt, die direkt an das Marienheim angebaut ist. Die Bauten des Heims ziehen sich L-förmig  um das Kirchenareal.

Die Baubeschreibung gibt noch einen interessanten Hinweis auf die damals üblichen Heiztemperaturen: "Die Erwärmung des Hauses erfolgt ....in der Weise, dass die Wohnräume 15°, die Schlafräume und Gänge 10° erhalten."

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz Obj. Nr.: 09080454

In Zeiten der DDR befand sich in dem Gebäudekomplex eine Ausbildungsstätte für evangelische Theologen. Viele der dort ausgebildeten Theologen waren in der Wendezeit führend in der Vorbereitung und Begleitung der friedlichen Abwicklung des sozialistischen Regimes und der DDR.


 

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)