Das Patentamt, Luisenstr. 33, 10117 Berlin - Mitte (1893)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Das Patentamt - Alte Bauten in Berlin

Luisenstr. 33 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Das Kaiserliche Patentamt in Berlin

Mit der Reichsgründung 1871 und der sich daraus ergebenden Reichsverfassung wurden viele Aufgaben an Reichsverwaltung und -gesetzgebung übertragen. Auch die sozio-ökonomische Entwicklung  Deutschlands und der Wandel vom Agrarstaat zum Industriestaat machte in Berlin neue, zentrale Behörden notwendig, die angemessene Bauten benötigten. Zur damaligen Zeit wurde für solche Büro- und Verwaltungsbauten der Begriff "Geschäftshäuser" verwandt. Die zeitgenössischen Baubeschreibungen führen dazu aus: "Dank der Einsicht, dass diese Gebäude nicht allein dem Bedürfnisse genügen dürften, sondern auch den Gedanken des Gesetzgebers architektonisch verkörpern sollten, hat der reichstag die Mittel so reichlich bewilligt, dass es gelungen ist, bezw. gelingen wird, sie, sowohl nach der Grundrissanlage, wie in der Gestaltung des Äusseren, ihrer Bedeutung entsprechend würdig zu gestalten."     

Das Patentamt wurde im Herbst 1891 eröffnet. Die Autoren der Beschreibung bedauern, dass sich in der "engen Louisenstraße, (wegen) deren geringe Breite einen günstigen Standpunkt für die Übersicht des Ganzen nicht gewinnen lässt."   Daher gibt es nur die Schrägaufnahme, die einen Gesamteindruck der Fassade nur schwer erkennen lässt. Erkennbar ist eine Fassade zu neun Achsen, die symmetrisch angelegt ist. Die beiden äusseren Achsen wie auch die Zentralachse des traufständigen Baus springen risalitartig vor und sind jeweils von einem Giebel mit angedeuteter Walmung überkrönt. Zum Hauptportal in der Zentralachse liegt eine eigene Abbildung vor, die gesondert beschrieben wird.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)