Der alte Marstall in Berlin, Breite Str. 36, 10178 Berlin - Mitte (1889)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Der alte Marstall in Berlin - Alte Bauten in Berlin

Breite Str. 36 (10178 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Das Königliche Marstall-Gebäude in Berlin
2. Breite-Strasse 36

In unmittelbarer Nähe des Stadtschlosses befand sich der Königliche Marstall. Das Wort Marstall leitet sich ab von einem alten Begriff für Pferd, aber auch Streitross. Dieses Wort veränderte später seine Bedeutung und hat sich bis heute als abfällige Bezeichnung für ein altes, schlechtes Pferd, eine Mähre oder sogar Schindmähre erhalten. (Anm. Der Wortbestandteil "Mar" findet sich auch im Begriff "Marschall". Der war ursprünglich der Verantwortliche für die Pferde. Später wurde dieser Begriff für den Chef der Kavallerie benutzt, bis er schließlich höchste militärische Dienstränge bezeichnete.)
Marstall bedeutet also nichts anderes als Stall für die Pferde eines Fürsten oder Adligen. In diesen Gebäuden befanden sich neben die Ställen für die Tiere auch die Remisen für Kutschen, Schlitten und Karren, die Räume für das Futter und Wohnungen für die Bediensteten.
Marställe waren außerdem oft repräsentative Schauräume für die prunkvollen Kutschen und Geschirre und verfügten oft über Reitbahnen für die Ausbildung und Vorführung der Pferde.

Der Königl. Marstall in Berlin war ursprünglich eine Reihe verschiedener Gebäude, die nach und nach von den Hohenzollern erworben und zu den entsprechenden Zecken umgebaut
wurde. Erst am Ende des 19. Jhdts. - nach den vorliegenden Aufnahmen- wurde ein neues Marstallgebäude errichtet-der Neue Marstall-, in den die alten Bauten teilweise integriert wurden.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)