Die kolossale Berlinerin, Potsdamer Platz, Berlin - Mitte (1889)

Staatsbesuch des italienischen Königs : Die kolossale Berlinerin

Potsdamer Platz ( Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Die Festststrasse in Berlin am 21. Mai 1889
II. Der Potsdamer Platz

Hier wurde es kolossal: "Den Hauptschmuck bildete die die Mitte des Platzes einehmende Kolossalstatue der Berolina..." Die große Berlinerin war über sieben Meter hoch und der Sockel nochmal sechs Meter. "Besonders zu rühmen war einerseits die richtige Wahl der Gesammtmaasse, welche den Abmessungen des Platzes vortrefflich angepasst waren, andererseit das gute Verhältnis des Sockels zur Figur."

Insgesamt dreizehn kolossale Meter, allerdings gefertigt aus Gips, Drahtgeflecht und Sackleinen und als Halt des Ganzen ein "Ganzholzstiehl (sic!) und Gevierteisen"

Weitere Fotos aus dem Album "Staatsbesuch des italienischen Königs"


Die in diesem Album vorgestellten Bildtafeln tragen die Überschrift:

Die Haupt- Zierbauten der Feststrasse in Berlin bei der Einholung König Umberto´s von Italien am 21. Mai 1889

Aud sechs Tafeln werden diese Bauten vorgestellt. Die zeitgenössischen Beschreibungen sind gekennzeichnet von Pathos und Stolz auf die Ergebnisse. Ergebnisse, die uns heute fast kitschig anmuten, zeigen den Zeitgeist, der fast als Sucht zu bezeichnende Drang nach Pracht und Herrlichkeit und auch Protz.

Einige Fakten sollen den Aufwand für eine einzige Durchfahrt des Königs und seines Gastgebers Kaiser Wilhelm II darstellen. Die Beschreibung gibt einen Hinweis auf die Kosten: "Die Stadt-Verwaltung bewilligte nach gründlicher Überlegung und gewissenhafter Prüfung der Haupt- und Nebenumstände, spät aber doch noch rechtzeitig, die erforderlichen Mittel in der Höhe von 150. 000,- M." 150.000 Goldmark bedeuten nach heutiger Kaufkraft  ca. eine Million Euro. Man gönnt sich ja sonst nix! Dabei muss man bedenken, dass ein einfacher Arbeiter damals pro Tag drei bis vier Mark verdiente, auf die er natürlich auch Steuern zu zahlen hatte, Steuern, von denen der gezeigte Protz bezahlt wurde.

Zum Zeitaufwand: "Laues, helles Frühlingswetter  begünstigte ein schnelles Fortschreiten der Arbeit, und es entstand in 4 Tagen und 4 Nächten der prächtige Strassenschmuck, den wir unseren Lesern auf den beifolgenden Blättern in seinen Hauptstücken vorführen."

Beides wäre heute sicher unmöglich!

(Anmerkung: Bei den wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)