Die "Lange Brücke", Schloßplatz 7, 10178 Berlin - Mitte (1893)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Die "Lange Brücke" - Alte Bauten in Berlin

Schloßplatz 7 (10178 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Die Lange Brücke (Kurfürstenbrücke) in Berlin
2. Ansicht von Süd-Osten her

Seit dem Mittelalter war an dieser Stelle ein wichtiger Übergang über den Fluss, eine Brücke, die die Städte Berlin und Cölln verband und die die "Lange Brücke" genannt wurde. Ab dem 13. Jhdt. überquerte eine hölzerne Brücke auf 14 Jochen die Spree. Im 17. Jhdt. erbauten die beiden Städte ihr erstes Rathaus auf dem Bauwerk. Die Nachfolgerin wurde im 17. Jhdt. wiederum aus Holz gebaut und erst das dritte Bauwerk zut Flussquerung war eine Steinbrücke. Diese 1694 in Betrieb genommene Brücke verfügte über fünf Bögen, über dem mittleren Bogen wurde ein Reiterstandbild des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, des sog. "Großen Kurfürsten" aufgestellt.

Zweihundert Jahre später wurde ein Umbau notwendig, da die Brücke dem wachsenden Verkehr über und auf dem Fluss nicht mehr gewachsen war. Der Umbau, der einem Neubau glich, reduzierte die Zahl der Bögen auf drei, um den Schiffsverkehr mit immer größeren Einheiten zu ermöglichen. außerdem wurde das neue Bauwerk deutlich breiter angelegt, um auch dem wachsenden Straßenverkehr, damals noch mit Pferdefuhrwerken, gerecht zu werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten, deren Beginn das Foto zeigt, erhielt die Brücke den Namen "Kurfürstenbrücke".

Das Bauwerk wurde ein Opfer des Krieges, deutsche Pioniere sprengten im Zuge der verteidigung des Stadt die Brücke. Der Aufbau der Brücke, die ab 1951 "Rathausbrücke" genannt wurde, erfolgte in einfacher Form als Stahlkastenbrücke. Ab 1974 war der Übergang nur noch für Fußgänger und Radfahrer zugelassen.

Mit Ende des 20. Jhdts. entstand der Wunsch, eine neue Brücke zu bauen, die auch wieder für den Fahrzeugverkehr nutzbar sein sollte. Es dauerte bei Verdoppelung der Baukosten jedoch bis zum Jahre 2012, bis dass die neue Rathausbrücke für den Verkehr freigegeben werden konnte.  

Die Aufnahme aus süd-östlcher Richtung zeigt die Brücke vor der Umgestaltung. In der Mitte erkennt man das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten auf dem Sockel, der durch Verbreiterung des mittleren Brückenbogens gebildet wird und dahinter die Süd-Ost-Ecke des Stadtschlosses.     

Das zugeordnete Foto zeigt aus ähnlicher Richtung einen Blick auf Straßenniveau über die Brücke auf die Süd-Ost-Ecke des Stadtschlosses           

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)