"Einkaufszentrum" Werderhaus, Kurstr. 51, 10117 Berlin - Mitte (1889)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

"Einkaufszentrum" Werderhaus - Alte Bauten in Berlin

Kurstr. 51 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Das Werderhaus in Berlin
III.Kurstrasse 51

Als Adresse wird die Werderstraße angegeben, ein Straßenname heute im Zentrum Berlins verschwunden ist. Hier wurde, nach dem Abriss älterer Häuser zu Anfang der 80er Jahre des 19.Jhdts., ein Bau errichtet, der als Vorläufer moderner Einkaufzentren angesehen werden kann. Baubeschreibung: "Die Gesellschaft (Anm.: die Bauherrin) beabsichtigte die Errichtung von Häusern, die in allen Stockwerken Geschäftszwecken dienen sollten....(So)...ist jedes Stockwerk als einziger, freier Raum hergestellt worden, der nach Belieben durch Einziehen leichter Zwischenwände getheilt werden kann. Auch für die Möglichkeit leichter Vereinigung zweier Stockwerke.....ist Sorge getragen worden."

Große Fensterflächen ermöglichten eine optimale Belichtung der Geschäftslokale. Besonders betont wird dabei, "die Hoffenster bilden zum Theil ein vom Keller bis zum obersten Stockwerk durchgehendes Eisengerüst."         

Auch auf der vorliegenden Abbildung lässt sich eine Vielzahl von Firmen erkennen, die sich in dem Komplex niedergelassen haben, wobei wie auf den anderen Bildern zu erkennen der Schwerpunkt auf Textilien und verwandten Produkten liegt:

Blumenreich & Meyer, Confection
N.N. & Behmack, Mäntel Fabrik
A.B. Citroen, Pelzwaaren(!) 
Aronheim & Rosenau
, Seidenwaaren (!) engros, Export
Gebrüder Alexander
, Confection
Max Glanz, Tricot Taillen, Kinderkleidchen, Lady Jerseys and children dresses
Wilhelm Andress, Passementerie
Siegmund Kaufmann, Tricotaillen, Chales, Fantasiewaaren
Carl Jander, Monogramm, Präge- und Gravir- Anstalt   

Architekt des Gesamtkomplexes war Alfred Messel (1853-1909), einer der bekanntesten Architekten Berlins um die Jahrhundertwende. Von ihm stammt neben dem Werderhaus u.a. auch das Kaufhaus Wertheim.

 


 


 

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)