Fürstenpalais am Wilhelmsplatz, Wilhelmstr. 94, 10117 Berlin - Mitte (1890)
hochgeladen von:
Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
1007 mal angesehen.
Album: Alte Bauten in Berlin

Fürstenpalais am Wilhelmsplatz - Alte Bauten in Berlin

Wilhelmstr. 94 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Der Palast des Fürsten von Pless in Berlin, Wilhelmstrasse 78
Gesammtansicht

Die Fürsten von Pless aus Schlesien gehörten zu den reichsten Familien des Kaiserreiches. Neben umfangreichem Landbesitz in Schlesien (Im 18. Jhdt. gehörten zur Standesherrschaft Pless drei Städte und 49 Dörfer.) besaßen sie ertragreiche Steinkohlenbergwerke in Waldenburg (heute: Wabrzych)

Fürst Hans Heinrich XI. ließ sich am Wilhelmsplatz/Ecke  Voßstraße in den Jahren 1872-1875 einen Stadtpalast bauen. Die Entwürfe zu dem Bau stammten vom französischen Architekten Gabriel-Hippolyte Destailleur (1822-1893), der bereits früher für die Fürsten Pless deren Schloss in Waldenburg umgestaltet und eingerichtet hatte. Das gezeigte Foto lässt deutlich den französischen Einfluss erkennen. Die Fassaden und vor Allem die Dachgestaltung erinnern an Gebäude in Paris. in der zeitgenössischen Baubeschreibung wird auch darauf hingewiesen, dass: "Die Steinmetz- und Bildhauerarbeiten wurden sämmtlich von französischen Künstlern und Werkleuten, zum Theil in Paris selbst, hergestellt."

Diese Fakten, französischer Stil und französische Handwerkskunst, führten im Berlin der 1870 Jahre nach dem Krieg gegen Frankreich zu kritischer Beurteilung des Gebäudes, das bereits 1913 wieder abgerissen wurde. in einer zeitgenössischen Publikation heißt es dazu: "Alles an diesem Baue, Plan, Arbeit, aller Art, ist französisch, selbst das Rohmaterial ist aus Frankreich herbeigeschafft; alle Handwerker, Künstler Dekorateure waren Franzosen. Keiner deutschen Hand wurde Brod (sic!) und Erwerb gegönnt." und weiter: "Neben dieser fürstlichen, verzwickten architektonischen Missgestalt, nach Zeit und Art der Ausführung ein Denkmal aristokratischer, undeutscher Gesinnung..." 

Statt sachlicher Auseinandersetzung mit der Architektur zeigen diese Zitate Beispiele des im neuen Kaiserreich immer stärker werdenden übersteigerten nationalen Denkens.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)