Geschäftshaus an der Leipziger Straße, Leipziger Str. 109, 10117 Berlin - Mitte (1888)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Geschäftshaus an der Leipziger Straße - Alte Bauten in Berlin

Leipziger Str. 109 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Ansicht des Hauses Leipziger Straße 109 in Berlin

Das Gebäude war als Kaufhaus entworfen. Die historische Baubeschreibung führt dazu aus:
"Die für das moderne Kaufhaus unabweisliche Forderung möglichst grosser (!) Lichtöffnungen in den Geschäftsräumen war für die Komposition der Fassade bestimmend und führte in der Behandlung der einzelnen Stockwerke zu Kontrasten, die durch die Wahl des Materials noch verstärkt wurden."

Architekten des Gebäudes war die Bürogemeinschaft Kayser und von Großheim: Heinrich Josef Kayser (1842-1917) ;Karl von Großheim (1841-1911), die ab 1871 mehrere gemeinsame Büros betrieben und in ganz Deutschland überaus gefragt waren. So bauten sie nicht nur die Preussische Akademie der Künste und Hochschule für Musik in Charlottenburg, sondern auch den Bau des Reichsmilitärgerichtes und im Rheinland das Domhotel in Köln sowie die Zentrale der Niederrheinischen Bank in Düsseldorf.

Im Erdgeschoss befand sich  auf der linken Seite ein Ladenlokal, durch das man zu den zugehörigen Geschäftsräumen im ersten und zweiten OG gelangen konnte (Julius Brühl, Tapisseriewaren) und auf der rechten Seite sowie dem restlichen Erdgeschoss eine Gastwirtschaft, der Brauereiauschank der Brauereigesellschaft Dreher aus Schwechat bei Wien. Nebenstehend der Grundriss des Erdgeschosses.

Foto Nr.:472074

 

Bemerkenswert an dem Haus, an dessen Fassade und Aufbau sich "eine dem Barock nahestehende Formengebung" zeigt, ist die Tatsache, dass die Haustechnik für die damalige Zeit jedoch hochmodern war. Das Gebäude war mit einer Niederdruckdampfheizung ausgestattet, es verfügte über eine Lüftungsanlage mit der Möglichkeit der Erwärmung oder Kühlung der Frischluft und über einen hydraulisch betriebenen Aufzug.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)