Haus einer Freimaurerloge, Dorotheenstr. 83, 10117 Berlin - Mitte (1890)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Haus einer Freimaurerloge - Alte Bauten in Berlin

Dorotheenstr. 83 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Haus der Loge "Royal York" in Berlin, Dorotheenstraße 27
Strassenseite

Das Gebäude, das in den zeitgenössischen Beschreibungen zu den "Hauptbauten des Barockstiles in Berlin" gerechnet wird, ist einer der letzten Bauten von Andreas Schlüter (1659 od. 1664-1714), wobei er nicht nur für die Planung verantwortlich war, sondern auch eigenhändig die Figuren und Plastiken der Fassaden sowie zahlreiche Stuckverzierungen im Inneren schuf. Das Haus war ursprünglich als Gartenhaus ("Lusthauß") inmitten einer großen Gartenanlage am Spreeufer errichtet worden. Bauherr und erster Eigentümer war die Familie von Kame(c)ke.

Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm es im Jahre 1779 die Freimaurerloge "Royal York", mit vollem Namen "Große Loge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft"

Im Kriege wurde das Gebäude stark zerstört. Im Jahre 1950 sprengte die Senatsverwaltung die Überreste. Nur wenige Teile der bildhauerischen Werke Schlüters-u.a. die  Figuren auf dem Dach des Hauses-blieben erhalten. Der reichhaltige, plastische Fassadenschmuck von Schlüters Hand ging unwiderbringlich verloren. 

Das Gebäude zeigt sich zur Straße als eingeschossiger Bau zu 11 Achsen mit einem Attikageschoss. Der Mittelteil ist erhöht und tritt aus der Front hervor. Das Anwesen war zunächst freistehend in einem Garten, der bis zur Spree reichte, angelegt. Ende des 19. Jhdts. wurde es beiderseits angebaut und durch die Anlage der Straße Reichstagufer vom Fluss abgeschnitten.

Über dem Mittelteil erkennt man den spitzen Turm der Dorotheenstädtischen Kirche,  der das Logenhaus gegenüber lag.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)