Hochherrschaftliches Wohnhaus, Voßstr. 18, 10117 Berlin - Mitte (1892)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Hochherrschaftliches Wohnhaus - Alte Bauten in Berlin

Voßstr. 18 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Wohnhaus in Berlin Vossstr. 18

Eigentümer und Bauherr war der Unternehmer Robert Guthmann, der in Niederlehme bei Königs Wusterhausen eines der ersten Weke für industriell gefertigten Kalksandstein errichtete. Guthmann war auch für die Grundrisse der Wohnungen des Hauses-je eine pro Stockwerk- verantwortlich. Die gestalterische Durchbildung lag in den Händen der bekannten Architektengemeinschaft Kayser und von Grosz(sic!)heim (Heinrich Josef Kayser (1842-1917) - Karl von Großheim (1841-1911).

Die nahezu symmetrische Fassade zu vier Achsen ist im historisierenden Stil des Neo-Barock ausgeführt. Die historische Baubeschreibung dazu: "Die vornehme Fassade dieses Hauses gehört zu den ersten, an denen in Berlin der Barockstil in klarer und bedeutsamer Weise zur Anwendung gekommen ist."     

Die beiden mittleren Achsen sind durch den prächtigen Erker aus schlesischem Sandstein betont, die Symmetrie ist nur wenig durch die Toreinfahrt auf der rechten Seite gestört. Derartige Toreinfahrten dienten bei den hochherrschaftlichen Wohnhäusern als Einfahrten für die Kutschen der Besitzer. Die Einfahrten führten meist in eine Halle, von der aus der Zugang zu den Wohnräumen ermöglicht wurde.

Das Haus war wahrscheinlich ein Mietshaus der gehobenen Sorte, denn die Baubeschreibung erklärt: "Jedes Geschoss enthält eine Wohnung, deren Einrichtung aus dem nebenstehenden Grundrisse ersichtlich ist."    

Grundriss siehe hier: (zur Komplettansicht bitte anklicken!)

Foto Nr.:473369

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)