Kaufhausbau, Spittelmarkt 16, 10117 Berlin - Mitte (1893)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Kaufhausbau - Alte Bauten in Berlin

Spittelmarkt 16 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Kaufhaus in Berlin, Spittelmarkt 16 u. 17

 Charakteristisch für Kaufhausbauten vor der Jahrhundertwende sind die für die damalige Zeit sehr großen Fensterflächen, die eine gute Belichtung der Verkaufsräume ermöglichten. Kaufhausbauten hatten anders als nach der Jahrhundertwende noch keine eigenständige Architektursprache sondern lehnten sich, abgesehen von den größeren Fensterflächen, der Architektur von normalen Wohnhausbauten an. Erst mit dem Aufkommen der großen Warenhäuser nach amerikanischem Vorbild entwicklelten sich die großen Kaufhausbauten mit eigenständiger Architektur. (Wehrhahn, Tietz, KaDeWe)

Laut zeitgenössischer Baubeschreibung befanden sich im Erdgeschoss  fünf Kaufläden und in den Obergeschossen durchweg Geschäftsräume. Die scheinen jedoch zum Zeitpunkt der Aufnahme durchweg nicht vermietet zu sein, wie die kleinen Schilder an den Fenster bezeugen, auf denen meist "Zu vermieten" stand.

Bemerkenswert ist die Gestaltung der Ecksituation mit der dreiachsigen Eckfront, die von einem hohen Ziergiebel überkrönt wird und der sich dahinter erhebenden turmartigen Dachlaterne.

Das Ladenlokal auf der Ecke gehört zu der berühmten Tabakwarenkette und -erzeugung "Loeser & Wolff", die im ganzen Deutschen Reich  120 Ladenlakale betrieb und zu ihren Blütezeiten insgesamt fast 5000 Menschen beschäftigte.

Walter Kempowski hat in seinem Buch "Tadellöser und Wolf" der endgültig im Jahre 1982 untergangenen Firmengruppe ein literarisches denkmal gesetzt. Der Vater des Autors verwendete die Abwandlung des firmennamens, wenn er etwas besonders gut, besonders herausragend fand.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)