Konzertsaal, Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin - Mitte (1888)
hochgeladen von:
Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
671 mal angesehen.
Album: Alte Bauten in Berlin

Konzertsaal - Alte Bauten in Berlin

Am Festungsgraben 2 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Der Concertsaal der Singakademie in Berlin (Vor dem Umbau)

Der zeitgenössische Bericht über den Umbau beschreibt voller Enthusiasmus die Sängerinnen und Sänger dieses 1791 gegründeten gemischten Chores. Der entsprechende Textausschnitt wird hier in der zeittypischen Diktion und Rechtschreibung wiedergegeben:

Vor Allem im unteren Theile, auf dem das schöne Geschlecht als Vertrer der Oberstimmen seinen Platz zu nehmen pflegt: Da sah man in stolzer Reihe die würdige Matrone im Silberhaar auf angestammtem Platze neben der blühenden Mutter, die nach des Tages Last in der Ausübung holder Kunst Erquickung findet und neben der rosig erblühten Jungfrau, der Begeisterung und Freude am Gelingen des Werkes die Wangen holdselig röthet. Und dahinter die Mannen, Väter und Söhne und auch manch graubärtiger Grossvater aus altem Berliner Patriziergeschlecht.

Im Vergleich der beiden Bilder ist zu erkennen, dass der Saal durch Entfernung der Säulenreihe in der Länge vergrößert wurde. In den apsisförmigen Abschluss, der auch eine Erweiterung der Plätze für Chor und Orchester ermöglichte, wurde ein große Orgel eingebaut.     


Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)