Palais im Regierungsviertel , Wilhelmstr. 73, 10117 Berlin - Mitte (1888)
hochgeladen von:
Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
1126 mal angesehen.
Album: Alte Bauten in Berlin

Palais im Regierungsviertel - Alte Bauten in Berlin

Wilhelmstr. 73 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Ministerium des Königl. Hauses in Berlin, Wilhelmstraße 73;
Mittelbau

Das Gebiet um die Wilhelmstraße war zunächst Teil des Tiergartens. Um die Ansiedlung repräsentativer Palais zu fördern, stellte der König, damals Friedrich Wilhelm I., nicht nur große Grundstücke zur Verfügung, sondern erwartete: "...für seine Beihülfe durch Schenkung von Baumaterial, Abgabenfreiheit und andere Erleichterungen nun auch die Herstellung möglichst würdiger und grossartiger Neubauten an jenen Stellen." (zitiert in Diktion und Rechtschreibung aus den Erläuterungen zu der Bildtafel) Bedacht wurden natürlich nur höhere Beamte und Militärs.

Aus den Wohnbauten der Elite entwickelte sich im 19. Jhdt. das Regierungszentrum Preussens und später des Deutschen Kaiserreiches. Otto von Bismarck erwarb das ehemalige Schulenburgsche Palais als Amts- und Regierungssitz des Reichskanzlers. Traurige Berühmtheit erhielt das benachbarte Palais des Prinzen Albrecht von Preussen, das mit weiteren Gebäuden in der gleichnamigen Straße unter den Nationalsozialisten zum gefürchteten Sitz des Reichssicherheitshauptamtes wurd, der Zentrale des Terrors von Gestapo und SS.

Das gezeigte Palais war ursprünglich im Besitz der Grafen von Schwerin, die auch die Bauherren waren (Bauzeit: 1735-1737). Nach einer Reihe von Besitzerwechseln wurde es 1858 vom preussischen König als Sitz des Hausministeriums erworben. Diese Behörde verwaltete das Vermögen der Hohenzollern. Nach dem Ende der Monarchie erwarb es die Reichsregierung von den Hohenzollern und von 1919 bis 1934 war es Amtssitz der Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg. Der braune Diktator nutze es nicht mehr als Wohn- und Amtssitz und so konnte sich sein Paladin, der Reichsaussenminister Joachim von Ribbentrop, dort ein luxuriöses Domizil einrichten.

Die DDR Regierung ließ das im Krieg nur mäßig beschädigte Gebäude verfallen, das Dach wurde abgebaut und schließlich wurde das letzte verbleibene Barockpalais im Jahre 1960 gesprengt.

Stilistisch ist das Gebäude, errichtet im Übergang von Barock/Rokoko und dem beginnenden Klassizismus, dem oft spöttisch so genannten "Zopfstil" zuzurechnen. Wie die anderen Palais an der Wilhelmstraße hat der Bau einen hufeisenförmigen Grundriss, das heißt zwei vorspringende Seitenflügel schließen an den hier gezeigten Mittelbau an und bildeten so einen großen Vorhof.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)