Reichskultusministerium, Unter den Linden 4, 10117 Berlin - Mitte (1893)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Reichskultusministerium - Alte Bauten in Berlin

Unter den Linden 4 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Vom Kultusministerium in Berlin, Unter den Linden 4

Der vollständige Name des Ministeriums lautete: "Ministerium für Kultus, Unterricht und Medizinalwesen". Das Gebäude wurde in den Jahren 1877 bis 1883 nach Plänen des "Kgl. Baurathes Professor Bernhard (Heinrich)Kühn(1838-1917)" errichtet.

Dem Ministerium, das auch die Aufsicht über die Kirchen innehatte, kam im sog. "Kulturkampf", d.h. in den Auseinandersetzungen des Staates mit drr Katholischen Kirche besondere Bedeutung zu. Es wurden Gesetze gegen die Einrichtungen der Kirche erlassen, Geistlichen waren Predigten, Vorträge oder Schriften mit politischem Inhalt verboten und der Jesuitenorden wurde aus Deutschland ausgewiesen. Der preussische Staat, der protestantisch orientiert und dessen jeweiliger Herrscher auch Oberhaupt der protestantischen Kirchen war, versuchte so die katholische Kirche in ähnliche Abhängigkeit vom Staat zu bringen. Eine Reihe katholischer Geistlicher wurde auf Grund der Kirchengestze bestraft und in Haft genommen.
Eine weitere Maßnahme war die Einführung der sog. Zivilehe, d.h. es wurde zwingend vorgeschrieben, dass eine rechtlich verbindliche Ehe nur vor den zuständigen Behörden (Standesämter) geschlossenwerden durfte. Kirchliche Eheschließungen vor einer oder ohne Zivilehe wurden verboten.

Das Ministerium,  war ein Bau zu zwei Mal vier Seitenachsen, die sich an den hier abgebildeten Mittelteil anschlossen.  Die Mittelachse ist betont durch den Haupteingang und diedarüberliegenden mit Säulen geschmückten Loggien.

Besonders wird in der Beschreibung auf den Fries unter dem Dachgesims hingewiesen, eine Arbeit des Bildhauers Gustav Eberlein (1847-1926), der in der Epoche  um 1900 einer der gefragtesten und meitbeschäftigten Bildhauer war.

Die historische Hausnummer "Unter den Linden 4" stimmt nicht mit der heutigen Zählung überein.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)