Reichsschatzamt, Wilhelmstr. 43-44, 10117 Berlin - Mitte (1893)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Reichsschatzamt - Alte Bauten in Berlin

Wilhelmstr. 43-44 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Das Kaiserliche Reichsschatzamt in Berlin, Wilhelmsplatz 1

Der Wilhelmsplatz als ehemals wichtige Adresse von Ministerien und obersten Behörden existiert heute nicht mehr. Zu Zeiten der DDR wurde die Fläche, die mitsamt den Bauten ihrer Umgebung völlig zerstört worden war, mit Wohnbauten überbaut. Die Restfläche, ab 1949 nach Ernst Thälmann benannt, wurde später der Otto-Grotewohl-Straße (nach der Wende wieder Wilhelmstraße) zugeschlagen. Der Platz lag östlich der Wilhelmstraße an derem nördlichen Drittel.

Das Kaiserliche Reichsschatzamt nahm ein und verwaltete die Reichssteuern und sonstigen Einnahmen des Reiches. Die eigentliche Finanzhoheit für den größten Teil der Staatseinahmen und -ausgaben lag bei den einzelnen Ländern. Das Schatzamt war als Bundesbehörde des föderalistisch verfassten deutschen Reiches gegenüber den Finanzministerien der einzelnen Länder weder übergeordnet noch weisungsbefugt. Nicht nur die Form der Finanzverfassung zeigt, dass die einzelnen Länder des Deutschen Kaiserreiches deutlich größere Souveränität gegenüber der Reichsregierung hatten als die heute in der Bundesrepublik der Fall ist.

Das in den 70er Jahren des 19. Jhdts. errichtete Gebäude zeigt sich im historisierenden Stil der Neo-Renaissance mit zwölf Achsen entlang der Wilhelmstraße und sechs Achsen zum Wilhelmsplatz. Über einem Sockel (Kellergeschoss) erhebt sich das Gebäude zu drei stockwerken, wobei das erste Obergeschoss durch seine Rundbogenfenster, die Fensterbrüstungen, größere Höhe und vier Balkone besonders betont ist.

Vor dem Bau an der Wilhelmstraße erkennt man eine Reihe von Fiakern, Pferdekutschen oder Pferdedroschken als Vorläufern der heutigen Taxis.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)