Seehandelsgesellschaft, Jägerstr. 21, 10117 Berlin - Mitte (1890)
hochgeladen von:
Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
659 mal angesehen.
Album: Alte Bauten in Berlin

Seehandelsgesellschaft - Alte Bauten in Berlin

Jägerstr. 21 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Mittelbau des Seehandlungsgebäudes in Berlin, Jägerstr. 21

Auch dieser Bau wird von den Autoren der "Blätter für Architektur und Kunsthandwerk" den "Hauptbauten des Barockstiles in Berlin" zugerechnet. 

Die Seehandlung war eine Gründung Friedrich II. (des Großen) Die "Societé de Commerce Maritime" diente der Förderung des Handels mit Salz und Wachs und erhielt darauf entsprechende Monopole. Außerdem sollte sie den Handel vor Allem mit Spanien und so indirekt mit der neuen Welt befördern. Die Gesellschaft baute und unterhielt dazu auch eigene Schiffe und Bauwerften. Ab der Mitte des 19. Jhdts. vollzog sich ein Wandel von einer staatlich geförderten Handelsgesellschaft zu einer Staatsbank. Folgerichtig wurde das Institut mit Beginn des 20. Jhdts. in Preussische Staatsbank umbenannt. Im Zuge der Auflösung des Landes Preussen im Jahre 1947 wurde das Bankhaus liquidiert, das Vermögen wurde 1983 auf die Landesbank Berlin übertragen, ein kleiner Teil in eine Stiftung "Preussische Seehandlung" überführt, die heute der Förderung von kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten dient und außerdem mehrere Preise (u.a. Berliner Literaturpreis) vergibt.

Im Gegensatz zum Bau der Universität findet die Seehandlung positive Beurteilung der Autoren: Das Bauwerk trägt"...im Gegensatze zu den vorgenannten entschieden das Geprägeder deutschen Barockbaukunst und widerlegt durch (..) flotte und flüssige Formenbehandlung die landläufige Anschauung, dass unter dem strengen Regimente des Soldatenkönigs (Friedrich Wilhelm I.) in der Berliner Baukunst der nüchternste und trockenste Zopf geherrscht habe."

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)