Volks-Kaffee-Haus, Neue Schönhauser Str. 13, 10178 Berlin - Mitte (1892)
hochgeladen von:
Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
1122 mal angesehen.
Album: Alte Bauten in Berlin

Volks-Kaffee-Haus - Alte Bauten in Berlin

Neue Schönhauser Str. 13 (10178 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet

Volks-Kaffee- und Speise-Haus in Berlin, Neue Schönhauserstr. 13

Die hinter dieser Einrichtung stehende Idee war, Männern und Frauen in ärmlichen Verhältnissen die Möglichkeit zu geben, für wenig Geld angemessen essen und trinken zu können. Es gab wohl keine alkoholischen Getränke und um der Prostitution keinen Vorschub zu leisten waren die Speiseräume für Männer und Frauen strikt getrennt. Um die Kosten niedrig zu halten war die Lokalität auf Selbstbedienung ausgelegt: ... die Speisen und Getränke aus ihr (der Küche)auf den für beide Abtheilungen gemeinsamen Schank- und Anrichtetisch gestellt werden können, von wo sie die Gäste selbst, ohne Vermittlung durch Kellner, entnehmen."

Die assymetrische Fassade zu vier Achsen ist ab dem ersten Obergeschoss weiß verputzt und "...zum Theil durch den Dekorationsmaler Senft farbig bemalt..."

Das Gebäude wurde in den 90er Jahren umfassend renoviert und steht heute unter Denkmalschutz Obj. NR.: 09035114

 

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)