Wohnhaus für einen Kunstsammler, Unter den Linden 69, 10117 Berlin - Mitte (1890)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Wohnhaus für einen Kunstsammler - Alte Bauten in Berlin

Unter den Linden 69 (10117 Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Wohn- und Geschäftshaus in Berlin, Unter den Linden 69

An der wohl zur Bauzeit schon allerersten Adresse ließ sich der Kunstsammler G.A. Freund ein Domizil im Stil der italienischen Renaissance errichten. Architekt war Wilhelm Walter (1857-1917), der um die Wende des 19./20. Jhdts. einer der meistbeschäftigten Baumeister von Versicherungs, Industrie und Wohnbauten war. Sein Privathaus "Villa Walther" in Grunewald ist eines seiner bekannstesten Bauwerke.

Die symmetrisch gestaltete Fassade zu drei Achsen wird beherrscht von einem Erker auf sechseckigem Grundriss zwischen dem ersten Geschoss und dem als Mezzanin ausgebildeten Dachgeschoss. Der Erker wird überkrönt von einer mit Schiefer gedeckten Haube mit einer aufwändig gestalteten Wetterfahne. Die Baubeschreibung teilt in zeittypischer Diktion mit: "Für die Grundrissbildung......waren die Wünsche und Gewohnheiten des als Kunst- und Musikliebhabers und-kenners bekannten Bauherrn durchaus maßgebend, und auch für die Gestaltung des Aeusseren blieb seinem geläuterten (sic!) Geschmacke die letzte Entscheidung vorbehalten."   

Hinter der historisierenden Fassade verbarg sich durchaus moderne Technik: "Das ganze Haus wird durch eine mit allen Neuerungen versehene Warmwasserheizung von Rietschel & Henneberg erwärmt. Die Wärmeregelung im Wintergarten (Anm.: im Dachgeschoss), ..., geschieht vom Keller aus, wo das Sinken des Thermometers unter einen bestimmten Grad auf elektrischem Wege durch ein Läutewerk angezeigt wird."

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)