Zeit, Wissenschaft und Reklame, Potsdamer Platz, Berlin - Mitte (1892)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Zeit, Wissenschaft und Reklame - Alte Bauten in Berlin

Potsdamer Platz ( Mitte)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Urania Säule auf dem Potsdamer Platze in Berlin

Die Urania-Gesellschaft war ein im Jahre 1888 gegründeter Verein, der wissenschaftliche Erkenntnisse und Fragestellungen einem breiten Laienpublikum zugänglich machen wollte. Schon Alexander von Humboldt hatte mit seinen naturwissenschaftlichen "Kosmos" Vorträgen für das breite Publikum einer Art volksbildende Wissensvermittlung im Sinn. Einer seiner Schüler führte diese Tradition fort mit der Gründung eines Vereins und als Kern der geplanten Ausstellungen mit dem Bau einer Volkssternwarte.

Den Namen "Urania" übernahm eine "Urania Uhren- und Säulen-Kommandit Gesellschaft", die sich zm Ziel gesetzt hatte auf öffentlichen Plätzen Uhrentürme kombiniert mit metereologischen Geräten und Reklameflächen aufzustellen. Dabei sollten die Reklameflächen zur Finzierung der Türme dienen. Bei der Ausgestaltung der aus Metall hergestellten Türme wurden astronomische Sinnbilder verwendet, die die Verbindung zum "Urania" Verein symbolisieren sollten.

Der Antrieb der Uhren, die sowohl die Orts- als auch die Weltzeit anzeigten, erfolgte über Wasserdruck, d.h. der Druck des Wassers aus der Wasserleitung trieb kleine Druckmotoren an, die die Uhrwerke bewegten. (Anm. Solche Antriebe, die natürlich eine enorme Verschwendung der Ressource Trinkwasser darstellten, wurden damals häufig benutzt. So gab es in Privathaushalten Waschmaschinen mit Wasserantrieb, sogar Aufzüge wurden so angetrieben.)

Es ist nicht bekannt, wieviele dieser Uhrentürme letztlich aufgestellt wurden. (Nach nicht nachprüfbaren Informationen waren es etwa 30 innerhalb Berlins)

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)