Eckhaus in Schöneberg, Potsdamer Str. 69, Berlin - Schöneberg (1890)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Eckhaus in Schöneberg - Alte Bauten in Berlin

Potsdamer Str. 69 ( Schöneberg)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Wohn- und Geschäftshaus in Berlin, Potsdamerstraße 69

Als Bauherr dieses Eckhauses im Stil der Neo-Renaissance wird "Herr Rentner G. Schwarz" genannt. Ein Rentner zur damaligen Zeit war jemand, der von seinen Renten (d.i. Zinsen) seines Vermögens lebte. Schwartz ließ das abgebildete Gebäude in den Jahren 1887/88 vom renommierten Architekten Hans Grisebach (1848-1904) planen und bauen.

Die verputzten (hellen) Wandflächen werden durch dunkle Pfeiler, Einfassungen der Fenster und Türen sowie der Zierglieder unterbrochen. alle diese Fassadenteile sind in rotem Backstein ausgeführt. Die Ecksituation ist betont durch einen dunklen Eckerker, der von einer schiefergedeckten Haube überkrönt wird.

Foto Nr.:472510

Die rechte Gebäudehälfte zu acht Achsen wird durch einen assymmetrischen Mittelrisalit geteilt, der von einem geschweiften Ziergiebel überkrönt wird. Die Endachsen beider Gebäudehälften (links drei Achsen) sind durch Erker zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss mit jeweils darüberliegender Loggia betont.

 

 

 

Auf der Ecke betreibt E. Schreiber seine Drogerie und "Drogen-Handlung", ein Begriff, der seitdem doch einen gewisse Bedeutungswandel durchgemacht hat. Rechts daneben ist die "Butter Handlung" von E-Rust und daneben befindet sich die Färberei von von D. Counde.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)