Wohnhaus im Tiergarten, Lichtensteinallee 4, 10787 Berlin - Tiergarten (1890)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Wohnhaus im Tiergarten - Alte Bauten in Berlin

Lichtensteinallee 4 (10787 Tiergarten)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Wohnhaus G. Schwartz in Berlin, Lichtensteinallee 4

Als Bauherr dieser Villa in bester Lage im Tiergarten wird "Herr Rentner G. Schwarz" genannt. Ein Rentner zur damaligen Zeit war jemand, der von seinen Renten (d.i. Zinsen) seines Vermögens lebte. Schwartz ließ das abgebildete Wohngebäude vom renommierten Architekten Hans Grisebach (1848-1904) planen und bauen. Lage und Ausstattung zeigen wie auch die beigefügten Grundrisse ein Beispiel großbürgerlicher Wohnkultur des ausgehenden 19. Jhdts.

Foto Nr.:472508                         Foto Nr.:472509

 

 

 

 

 

 

 

Anzumerken ist noch, dass der Bau auf einer Art Sockel steht. Die Oberkante des Kellers (Untergeschoss, Souterrain) ragt etwa zur Hälfte über den Baugrund  hinaus und ist wie auf dem Foto erkennbar auch durch dunkleres Baumaterial (häufig Werkstein) vom eigentlichen Wohnbau abgesetzt. Das ermöglicht unter Anderem, die Wirtschaftsräume (Küche, Heizung, Bügelzimmer) und die Wohnräume für Personal (Mädchen, Köchin, evtl. Diener) bei halbwegs natürlicher Belichtung in das Untergeschoss zu verlegen. Man findet diese Bauweise allenthalben bei bürgerlichen Wohnbauten und Villen des ausgehenden 19. Jhdts.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)