Wohnhaus und Atelier für einen Maler, Hildebrandstr. 15, 10785 Berlin - Tiergarten (1893)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Wohnhaus und Atelier für einen Maler - Alte Bauten in Berlin

Hildebrandstr. 15 (10785 Tiergarten)


Die originale Bildunterschrift lautet

Wohnhaus in Berlin, Hildebrandtstraße 15

Die zeitgenössische Baubeschreibung nennt als Bauherrn den Maler Conrad Kiesel (1846-1921), der sich hier in den Jahren 1891/92 ein Wohnhaus mit Atelier errichten ließ. Kiesel war einer der erfolgreichsten und gefragtesten Künstler der sogenannten Salonmalerei. Er war in der besseren Gesellschaft bekannt für Abbilder junger Frauen und Mädchen großbürgerlicher Familien, die er in reich ausgestatteter Umgebung portraitierte. Kiesel wurde vielfach ausgezeichnet und hatte in der zeit vor und nach der Jahrhundertwende Ausstellungen auch an ausländischen Orten (Paris, London,Rom)

Kiesel war in der Lage sich von der bekannten Architektengemeinschaft Kayser und von Grosz(sic!)heim (Heinrich Josef Kayser (1842-1917) - Karl von Großheim (1841-1911) in bester Lage, dem Viertel südlich des Tiergartens ein großzügiges Anwesen planen und bauen zu lassen.

Über dem Kellergeschoss und zwei Wohn-/Schlafgeschossen befand sich im Dachgeschoss das große Atelier, eine Anordnung, die gerne für Künstlerateliers gewählt wurde, um eine gute Belichtung mit natürlichem Licht erreichen zu können. Dabei wurde meist darauf geachtet, dass die Belichtung durch die verglasten Dachflächen von Norden her erfolgte, um über den Tag ein möglichst gleichmäßiges Licht zur Verfügung zu haben.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)