Landhaus am Wannsee, Am Großen Wannsee 9a, 14109 Berlin - Wannsee (1890)
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Ulrich  Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Alte Bauten in Berlin

Landhaus am Wannsee - Alte Bauten in Berlin

Am Großen Wannsee 9a (14109 Wannsee)


Die originale Bildunterschrift lautet:

Landhaus Ravené in Wannsee bei Berlin

Diese riesige Villa in bester Lage zwischen dem Kleinen und dem Großen Wannsee wurde für die hugenottische Familie Ravené erbaut, die seit dem 18. Jhdt. eine große Eisen- und Stahlhandelsgesellschaft betrieb. Die Familie Ravené war mit der Familie des Architekten Hermann Ende (1829-1907) befreundet und verschwägert. (Endes Tochter heiratete einen Sohn der Familie Ravené) Ende entwarf zusammen mit Wilhelm Böckmann (1832-1902) dies als Landhaus etwas untertrieben bezeichnete Bauwerk .

Allein die Aufzählung der Einliegerwohnungen für Dienstboten (Gärtnerwohnung, Kutscherwohnung, Mädchenstuben)) und Räume für Pferdeställe, Geschirr- und Futterkammer und auch der Wagenschuppen für Kutschen macht deutlich, welcher Aufwand und Luxus betrieben wurde. Dafür spricht auch die Aufstellung der Kosten, die mit insgesamt 265.000,-M (also Goldmark) angegeben werden. Unter Vergleich der Kaufkraft und der Lebenshaltungskosten müsste für einen ähnlichen Bau heute wahrscheinlich fünf bis sechs Millionen Euro angesetzt werden zuzüglich der Grundstückskosten.

Weitere Fotos aus dem Album "Alte Bauten in Berlin "


Der größte Teil der in diesem Album gezeigten Bauten wurde in der Architekturzeitschrift:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

veröffentlicht.

Diese Publikation erschien von 1888 bis 1913. Zu den halbmonatlichen Lieferungen wurden zehn bis zwölf Bildtafeln von Gebäuden veröffentlicht. Das heißt pro Jahr zwischen 120 bis ca 140 Bildtafeln und insgesamt ca. 3000 Abbildungen Die Bildtafeln, sog. Heliogravüren zeichnen sicht durch außerordentliche Detailtreue und Feinheit aus. Auch heute nach 100 bis 130 Jahren haben sie wenig von ihrer ursprünglichen Qualität verloren, so dass in einzelnen Fällen sogar Ausschnittvergrößerungen möglich sind. Bilderbuch Berlin wird alle diese Vorlagen, soweit sie die alte Reichshauptstadt betreffen, in der nächsten Zeit in diesem Album veröffentlichen.

Zu den einzelnen Bildtafeln lieferte die Redaktion Baubeschreibungen, die teilweise wörtlich zitiert, teilweise als Grundlage der eigenen Beschreibungen herangezogen werden.  

Architekturzeitschriften wie die vorliegende waren Publikationen für Architekten und Architekturinteressierte, die sicher zum Teil als Vorlagen für eigene Entwürfe und Gestaltungsmöglichkeiten dienten. Die Abbildung  historischer Bauten vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jhdts. lieferten außerdem mögliche Anregungen auf die die Baumeister des 19. und frühen 20. Jhdts. im Sinne des vorherrschenden Historismus zurückgreifen konnten.   

Die Bezugskosten beliefen sich übrigens im Jahre 1888 auf "36 Mark jährlich bei freier Zustellung"!
Vom zweiten Jahrgang an war die Erscheinungsweise nur noch monatlich und der Bezugspreis belief sich auf:Vierteljährlich 6 Mark bei freier Zustellung".

Ab September 1889 war der Herausgeber Paul Graef (1855-1925), Architekt und Hochschullehrer, der unter Anderem als Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstages beteiligt war. Graef lieferte auch ein große Anzahl der Fotografien, die in den "Blättern für..." veröffentlicht wurden.

 

(Anmerkung: Bei wörtlichen Zitaten aus den Beschreibungen wurden die zeitgenössische Diktion und Rechtschreibung übernommen. z.B. Strasse, Thurm, Thor, gesammt, Stiehl)